Sonntag, 29. März 2009

°4 __Märtyrer

Eine Bombe in einem Hotel in Jerusalem. Ein Anschlag. Mindestens einundneunzig Tote. Eine terroristische Gruppe erklärt sich verantwortlich. Selber nennen sie sich Freiheitskämpfer. Sie kämpfen gegen das Besatzungsregime das ihre „Heimat“ besetzt hält. Nach eigenen Worten kämpfen sie für die „Unabhängigkeit“ und gegen die Besatzer. Eine ganze Liste terroristischer Anschläge geht auf ihr Konto. Einige der Attentäter werden bei dem Anschlag getötet. Einige der Drahtzieher werden später festgenommen.

In einem alten arabischen Haus gibt es eine Ausstellung. Hier werden die Attentäter als Helden verehrt. Fotos sind ausgestellt. Ein Film wird gezeigt. Im Film werden die Namen der getöteten Attentäter einzeln verlesen - begleitet von trauriger Klaviermusik. Auf der Leinwand erscheinen ihre Fotos. Am Bildrand ist eine Kerze zu sehen, die langsam herunterbrennt. Der Sprecher im Film hat einen Namen für diese Männer er nennt sie: „Märtyrer.“

Der Name der Organisation, die hier geehrt wird lautet nicht Hamas oder Hisbollah sondern „Irgun“, von Israelis auch „Etzel“ genannt.

Die Irgun war eine Gruppe jüdischer „Untergrundkämpfer“, die in den Jahren 1931 – 1948 eine ganze Reihe von terroristischen Anschlägen verübte. Sie wehrte sich gewaltsam gegen die damalige britische Besatzung Palästinas. Sie griffen auch arabische Kämpfer und Zivilisten an und beteiligten sich maßgeblich an der Vertreibung der Palästinenser. Hunderte palästinensische Zivilisten fielen ihrem „Freiheitskampf“ zum Opfer. Die Irgun verübten unter anderem ein Massaker in dem arabischen Dorf Deir Yasin, bei dem über hundert palästinensischen Zivilisten getötet wurden. Im Krieg von 1948 kämpften sie an der Seite der israelischen Armee.

Am Strand von Tel-Aviv steht heute ein Museum, das diesen „Kämpfern“ gewidmet ist. Auf der Ruine eines zerstörten arabischen Hauses ist ein Ausstellungsraum entstanden. Hinter alten Steinmauern und modernen Glasscheiben wird hier der Kampf der Irgun zur „Befreiung der Stadt Jaffa“ gefeiert. Geehrt wird ihr Beitrag zur „Beseitigung der arabischen Bedrohung“ vor den Toren Tel-Avivs, so heißt es auf den Ausstellungstafeln. Auf blinkenden Informationstafeln lässt sich das damalige Kampfgeschehen nach verfolgen. Maschinengewehre und Geschütze sind ausgestellt. Die „Kämpfer“ von damals werden hier als Helden gefeiert.

Unterstützt wird das Museum der „Märtyrer“ vom israelischen Verteidigungsministerium.

Ich bin der einzige Besucher in dem kleinen Museum an diesem Vormittag. Alleine sitze ich in einem leeren Vorführungsraum und lausche der Ehrung der Märtyrer.

Hundert Meter weiter sitzen die Menschen in der Sonne vor den Strandcafés. Als ich Israelis auf das Museum anspreche antwortet man ausweichend. Nein, man sei noch nicht in dem Museum gewesen. Man wisse, dass es damals auch gewaltätige und "terroristische Gruppen" gegeben habe. Eine junge Frau korrigiert sich hastig und sagt: "Wenn ich terroristisch sage, dann meine ich nicht wirklich terorristisch. Also nicht terroristisch im heutigen Sinne." Sie stockt. Ich wisse schon was sie meine, sagt sie. Ich müsse verstehen, fährt sie schließlich fort, diese Gruppen seien wichtig gewesen für Israel. "Ohne diese Gruppen gäbe es den Staat Israel heute nicht." - Terror und Vertreibung als Geburtshilfe.

Das Eretz Musuem in Tel-Aviv-JaffaGewidmet der sog. "Befreiung" Jaffas
Die Ausstellung