Freitag, 27. März 2009

°3 __Shattered Glas

Ich lerne mehr über junge Israelis und die deutsche Sprache, das Goethe Institut und Pornofilme, Straßenmusik und zerbrochene Fensterscheiben.

Couch-Wechsel: Vom Zentrum Tel-Avivs mit seiner großen Shopping Mall, den Hochhäusern, der Bauhaus Architektur und seinen schicken Cafés und Bars ziehe ich nach Jaffa. Jaffa liegt südlich des Zentrums von Tel Aviv. Jaffa ist eine ehemals arabische Hafenstadt. Im Krieg von 1948 flüchtete ein Teil der arabischen Bevölkerung. Heute findet sich noch eine arabische Minderheit in der Stadt.

Meine neue Herberge ist mir im Internet als „crazy couch surfing house“ angepriesen worden. „Wir haben fast das ganze Jahr über Menschen aus aller Welt bei uns“, erklärt mir meine neue „Couchgeberin“ bei meiner Ankunft. Ein ausgebautes Ladengeschäft dient als Wohnung und gleichzeitig als Couch-Surfing-Herberge. Hinter einer modernen Fensterfront aus Milchglas verbirgt sich ein kunter-buntes Künstler-Loft. Die Wände sind dicht behängt mit Bildern und Zeichnungen. Alle sind selbst gemalt. Ständig kommen und gehen Menschen. Ich teile mir die Wohnung mit den zwei Gastgebern und drei weiteren Reisenden - drei jungen Deutschen auf Durchreise. Unsere Gastgeberin nennt uns die „deutsche Kolonie“.

Während ich mich mit meinen deutschen Ko-Kolonisten unterhalte lauscht unsere Gastgeberin dem Gespräch. Ich frage sie ob sie etwas versteht. „Weißt du woran junge Israelis denken, wenn Sie Deutsch hören? “fragt sie. Einen Moment später beantwortet sie die Frage selbst: „Pornofilme!“ sagt sie. Ich muss lachen, beinahe hätte ich meinen Kaffee quer durch das Loft geprustet. „Pornofilme?“ frage ich erstaunt. Sie lacht und erklärt, dass in den frühen Jahren des israelischen Kabelfernsehens , spät nachts häufig deutsche und schwedische Erotikfilme gezeigt wurden. Da Filme in Israel nicht synchronisiert werden, war das nächtliche Fernsehprogramm für viele junge Israelis der erste Kontakt mit der deutschen Sprache, außerhalb des Schulunterrichts. Ich frage mich, was das Goethe-Institut wohl dazu sagt.

Straßenmusik auf dem Künstlermarkt und ein lauter Knall

Tel-Aviv hat einen Künstlermarkt. Man findet Kunsthandwerk in allen Farben und Formen. Die kleinen Straßen vibrieren vor Leben. Vom Lebensmittelmarkt nebenan weht der Duft von Gewürzen und gebratenem Fleisch herüber.

An den Eingängen zum Markt steht Sicherheitspersonal und kontrolliert Taschen. Als ich eintrete führt die Polizei, unterstützt von schwer bewaffneten Soldaten, gerade einen Mann außer Sichtweite. Ich setze mich auf eine Bank in die Sonne. Zwei meiner neuen Mitbewohner verdienen sich auf dem Markt ein paar Schekel mit Straßenmusik. Sie singen auf Deutsch. Ich lehne mich zurück und höre zu. Plötzlich höre ich einen lauten Knall. Direkt hinter mit zersplittert Glas.


Ich drehe mich um. Auf dem Boden liegen Glasscherben verteilt. Die Fensterscheibe eines Geschäfts ist zersplittert. Schnell bildet sich ein Menschentraube. Die Menschen schauen besorgt. Für ein paar Minuten herrscht Verwirrung. In der Fensterscheibe steht ein Handwerker mit einem Hammer in der Hand. Er hatte versucht den Türrahmen zu richten und hat dabei versehentlich die Scheibe zerbrochen. Jemand ruft „Mazeltov“. Die Situation beruhigt sich. Die Leute gehen weiter.

Die ganze Zeit über spielen die beiden Straßenmusikanten weiter. Ich bleibe noch eine Weile sitzen und höre der Musik zu. Ich frage mich ob die Leute die vorbei gehen die deutsche Sprache erkennen. Ich blicke mich um und schaue in die gut gelaunten Gesichter der Zuhörer. Woran sie wohl denken?